Industriemuseum Chemnitz

Das Museum stand schon lange auf dem Plan zu besuchender Objekte. Bei dem angekündigten Regen habe ich einen freien Tag genutzt und bin mal nach Chemnitz gefahren. Mit der Bahn ist das eine Stunde Fahrzeit bis zum Hauptbahnhof in Chemnitz. Dass ich dann allerdings noch einmal rund eine Stunde benötigt habe, um vom Hauptbahnhof bis zum Museum zu kommen, steht auf einem anderen Blatt.

Denn die Straßenbahn am Hauptbahnhof wird derzeit komplett umgebaut und fährt künftig durch das Bahnhofsgebäude durch, die bisherige Haltestelle vorm Bahnhof zieht nach Innen. Ja, aber wo fahren die Bahnen zwischenzeitlich ab? Also bin ich den Hinweisschildern gefolgt und stand tatsächlich vor einer Straßenbahn, aber die fährt in die falsche Richtung, obwohl die richtige Linie dransteht. Verunsicherung macht sich breit. Also den Linienplan studiert und tatsächlich, die Straba fährt aus dem Bahnhof raus und macht einen 180°-Bogen in Richtung Zentralhaltestelle. Inzwischen war die erste Bahn weg.

Und wo bekomme ich ein Ticket her? Automaten standen jedenfalls nicht an der Haltestelle, nur einer für den VMS (Verkehrsverbund Mittelsachsen), aber da fand ich nichts in Richtung Straßenbahnticket. Also zurück in die große Halle, ohne Erfolg. Wieder zum Bahnsteig und eine Frau um Auskunft gebeten. Ja, die Automaten stehen in der Bahn. Prima, also rein in die wartende Tram, zum Automaten und versucht, das Tarifsystem zu durchschauen. Am besten ist wohl eine Tageskarte und die kostet 4 Euro. Aber der Automat nimmt nur Münzen. Also wieder raus und irgendwo Geld wechseln gehen. Die nächste Bahn war weg…

Erfolgreich Geld gewechselt und wieder zurück zur Haltestelle und nun endlich konnte ich das Tagesticket am Automat erwerben. Ob das allerdings das richtige war, weiß ich auch nicht, ebenso wußte das der hilfreiche Fahrgast nicht. Am Display stand wieder was von irgendwelchen Zonen und wie soll man mal so auf Anhieb wissen, wieviele Zonen man braucht?

Egal, ich bin Richtung Zentralhaltestelle losgefahren. Die gesamte Zentralhaltestelle verteilt sich über diverse Bahnsteige in alle Himmelsrichtungen und über mehrere Straßen. Aber immerhin habe ich die Haltestelle der Linie 1 gefunden und war nun endlich auf dem Weg Richtung Museum.

Industriemuseum Chemnitz

Das Museum besitzt eine funktionsfähige Großdampfmaschine, die auch zu bestimmten Zeiten in Betrieb gezeigt wird.

Industriemuseum Chemnitz

Der Raum Chemnitz ist, ebenso wie das Vogtland durch die Textilindustrie geprägt. Zumindest war es das Anfang des 20.Jahrhunderts bis kurz nach der Wende 1989. Viele Ausstellungsstücke demonstrieren diese Zeit und ich bin mir sicher, dass etliche der Objekte noch bis zur Wende in Betrieb waren.

Für die Spitzenproduktion wurde beispielsweise diese Pantographen-Handstickmaschine verwendet. Das Ausstellungsstück war bis 1950 in Betrieb und wurde 1909 gebaut.

Industriemuseum Chemnitz

Gebaut wurde diese übrigens von der Vogtländischen Maschinenfabrik in Plauen.

Die Spitzenstickerei setzte schon damals Lochkarten zur Speicherung des Musters ein. Die Lochkarten wurden mit sogenannten Punchmaschinen hergestellt. Hier ist der Blick in einen Getriebeteil einer solchen Maschine.

Industriemuseum Chemnitz

Wer schon immer mal wissen wollte, wie Zopfschnüre hergestellt werde, kann das im Museum genaustens betrachten und sogar selbst per Handkurbel bedienen. Die umeinanderwirbelnden Garnspulen lassen sich dabei gut beobachten.

Industriemuseum Chemnitz

Und so sieht das Resultat meiner Bemühungen aus.

Industriemuseum Chemnitz

Aber nicht nur Textiltechnik ist im Museum zu bestaunen, auch dem Verkehr ist ein umfangreicher Teil der Ausstellung gewidmet. Zum Beispiel ist diese Dampflok der Baureihe  98.0  zu bewundern.

Industriemuseum Chemnitz

Hergestellt wurde diese Lokomotive in der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz, eng verbunden mit dem Gründer und langjährigen Leiter des Unternehmens Richard Hartmann.

Neben der Dampflok nimmt sich ein Fahrrad relativ bescheiden aus, aber auch diese sind in der Ausstellung zu finden. Und irgendwie bin ich froh, dass batteriebetriebene LED-Leuchten an Rädern nunmehr auch per StVZO zugelassen sind, wenn ich diesen Dynamo sehe.

Industriemuseum Chemnitz

Neu war mir, dass die Firma „Wanderer“ aus Chemnitz stammt. Auf jeden Fall hat „Wanderer“ auch Fahrräder gebaut, die an dem markanten Symbol gut zu erkennen sind.

Industriemuseum Chemnitz

Aber es gab nicht nur Wanderer-Räder aus Chemnitz, sondern auch jene von Diamant. Anfang der 90er Jahre wurde von Diamant sogar ein E-Bike entwickelt und rund 3.000 Stück davon verkauft. Äußerst originell ist der Motor oberhalb des Vorderrades, der per Reibradantrieb die Kraft überträgt.

Industriemuseum Chemnitz

Die damals grbräuchlichen NiCd-Accus waren mehr oder weniger in den Rahmen integriert.

Industriemuseum Chemnitz

Eine Akkuladung brachte es auf 25 bis 30 Kilometer Strecke.

Zum Ende der Museumstour gab es noch Kaffee und Wiener mit Kartoffelsalat im museumsangehörigen Bistro „Hugo“.

Industriemuseum Chemnitz

 

Fazit:

Das Industriemuseum Chemnitz ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die „bunte Mischung“ von Exponaten von Haushalt, über Textiltechnik und Maschinenbau bis hin zum Fahrzeugbau bietet auf jeden Fall für jeden Besucher Interessantes zum Stöbern und bestaunen. Für Freunde historischer PKW-Technik sei die aktuelle Sonderausstellung „DKW“ unbedingt empfohlen.

 

Mehr zum Industriemuseum gibt es auf der Museumswebseite.

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