Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen – Teil 2

Wichtiger Hinweise: Bei der Radverkehrskonzeption (RVK) handelt es sich aktuell um den Entwurf.

Die RVK merkt im weiteren kritisch an, dass die Ziele aus dem Konzept von 2005 nur in wenigen Fällen erreicht wurde. Als Gründe dafür werden aufgeführt:

  • Viele Baulastträger und Beteiligte auf einer Route, kleinteilige Abschnitte
  • Umweltfachliche und naturschutzrechtliche Anforderungen
  • Kommunale Haushaltsituation
  • wiederholte Instandsetzungen von Abschnitten nach Hochwasserereignissen, insbesondere bei ungebundener Deckenbauweise
  • Vorrang für Bundes- und Staatsstraßenbau

Einige dieser Gründe sind am aktuellen Ausbau des Elsterradweges als Behinderung eines zügigen Ausbaues deutlich sichtbar. Und Hochwasser kann auch asphaltierte und grundhaft ausgebaute Radwege in Mitleidenschaft ziehen, wie im Juni letzten Jahres zu sehen war. [Weiterführende Anmerkungen des Autors werden im Beitrag  mit dieser Dastellung hervorgehoben.]

 

In der RVK steht dazu „Die  genannten  Gründe  standen  einer  schnellen  und nachhaltigen  Verbesserung  des SachsenNetz Rad bisher im Wege.“ Bezüglich der Finanzierung setzt die RVK auf den Bund und führt dazu aus: „Dazu will der Bund zeitnah eine dauerhaft tragfähige und bedarfsgerechte Gesamtfinanzierungslösung schaffen. Damit besteht die Aussicht, die finanzielle Situation der Kommunen dahingehend zu verbessern, dass die kommunalen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur bewältigt werden können.“ [1]

Aber vielleicht wäre auch eine Anpassung der umwelt- und naturschutzrechtlichen Gesetzgebung eine Erleichterung für den Radwegebau.

Ein weiterer Schwerpunkt in der RVK ist die Verbindung von Radverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Konzept habe es in den letzten Jahren zahlreiche Verbesserungen gegeben. Bei der Aufzählung sind ausreichende Kapazitäten für die Fahrradmitnahme und die Beseitigung tariflicher Hemmnisse genannt. kursiv: Die neuen Fahrzeuge der Vogtlandbahn haben eine Kapazität von nominell vier Fahrrädern, das kann an Wochenenden mit schönem Wetter keineswegs als ausreichend betrachtet werden. Vom Tarifchaos bei der Radmitnahme ganz zu schweigen.

Wenige Absätze später wird allerdings darauf hingewiesen, dass die Mitnahmekapazitäten für Räder von und nach Sachsen in den letzten Jahren reduziert wurden, hier ist der Fernbahnverkehrs gefordert.

Der Aussage zur Beseitigung tariflicher Hemmnisse widerspricht sich das Konzept selbst: „Eine einheitliche Regelung zur Fahrradmitnahme im Schienenpersonennahverkehr (SPVN) oder gar in allen öffentlichen Verkehrsmitteln im Freistaat Sachsen gibt es nicht. Jeder Verbundraum hat sein eigenes Tarifsystem mit jeweils  unterschiedlichen Regelungen für die FahrradMitnahme. In einigen Verbundräumen ist die Fahrradmitnahme im SPNV kostenfrei, allerdings nicht bei Verbundgrenzen überschreitenden Fahrten.“ [1]

Positive Erwähnung findet das „EgroNet“, das ja den vogtländischen Raum einschließt. Das EgroNet-Ticket schließt die kostenfreie Radmitnahme ein auf einem Netz von ca. 700 Linien des ÖPNV in Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen.

Als wichtigen Punkt wird in der RVK das System von Informationstafeln angesprochen, die die radtouristischen Angebote und deren Erreichbarkeit darstellen, ergänzt durch Wegweisungen zur Strecke zwischen Bahnhof und touristischer Radroute.

Immerhin befinden sich im Vogtland eine Reihe von Bahnhöfen in unmittelbarer Nähe von touristischen Routen. Die RVK führt hier explizit auf: Adorf, Bad Brambach, Elsterberg, Falkenstein, Klingenthal, Oelsnitz, Plauen (oberer Bahnhof), Reichenbach und Schöneck. Mit dem Ausbau des neuen Haltepunktes „Plauen Mitte“ sollte auch dieser als Bahnhof von „besonderer Bedeutung“ für das SachsenNetz Rad gelten. Der Elsterradweg verläuft ja dort quasi vor der Haustür.

Ein weiteres Kapitel widmet sich der Radverkehrswegweisung. Die RVK empfiehlt an dieser Stelle: „Dies gilt vor allem dann, wenn die Qualität der Wegweisung stimmt, die Informationen also nicht widersprüchlich oder lückenhaft sind und ergänzende Elemente wie z.B. Infotafeln in das Informationssystem integriert werden.“ [1]

Grundlage der Wegweisung soll der bundesweite FGSV-Standard sein. Der Standard ist in Sachsen durch die „Richtlinie zur  Radverkehrswegweisung im Freistaat Sachsen“ konkretisiert. Die Richtlinie enthält die drei Elemente Pfeilwegweiser, Tabellenwegweiser und Zwischenwegweiser.

Radverkehrswegweisung

[Abbildung1]

Das System nach FGSV besitzt nach Aussage der RVK folgende Vorteile:

  • Kostenersparnis durch Standardisierung
  • einheitliches  Erscheinungsbild  und  Qualitätsstandard,  auch  über  die  Grenzen  des Freistaates hinaus
  • gute Erkennbarkeit für den Nutzer
  • höchste Flexibilität, z.B. bei der Verlegung touristischer Routen
  • vereinfachte Nachbestellung

In Plauen ist das Wegweisungssystem nach diesem Standard realisiert, im Vogtlandkreis ist es mir zumindest an einigen Radrouten aufgefallen, wie bspw. am Vogtlandradweg.

Als neue Entwicklung stellt die RVK ein sogenanntes Knotennummernsystem vor. Zielwegweiser erhalten eine zweistellige Nummer und Verweise auf benachbarte Knoten. In der Praxis soll das wie in Abbildung 2 aussehen.

Knotenwegweiser

[Abbildung2]

Die Übersichtskarte enthält dann vermutlich eine schematische Darstellung des umliegenden Radwegenetzes mit Angabe der Knotennummern.

In kurzer Form geht die RVK auf das Thema Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ein.  Hier wird auf das sächsischer Internetportal www.radverkehr.sachsen.de hingewiesen. Dieses Portal soll weiter ausgestaltet werden, denn derzeit ist dort nicht wirklich viel zu finden. Dem Radverkehr widmen soll sich auch die „Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH“ (TMGS). Die TMGS betriebt beispielsweise die Webseite www.sachsen-tourismus.de, die unter der Rubrik „Aktivurlaub“ Radtouren und Mountainbikestrecken präsentiert.

Damit möchte ich die Ausführungen zum Entwurf der Radverkehrskonzeption abschließen, denn Kapitel 6 befasst sich mit der Umsetzung der RVK und richtet sich eher an Kommunen und Behörden.

Das Konzept liefert eine Reihe von Zielen und Empfehlungen, spricht teilweise Kritikwürdiges an, es bleibt zu hoffen, dass ein Resümee zum nächsten Entwurf in einigen Jahren eine bessere Bilanz ziehen kann, als das im Jahr 2014 der Fall ist.

Quellennachweis:
[1] Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen 2014, Entwurf, Stand 14.Februar 2014, Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA)

Abbildungsnachweis:
[Abbildung1] Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen 2014, Entwurf, Stand 14.Februar 2014, Seite 51, SMWA
[Abbildung2] Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen 2014, Entwurf, Stand 14.Februar 2014, Seite 52, (SMWA

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