Oder-Neiße-Radweg 2016 – Teil 5

Nach einer angenehmen Nacht im Kulturhotel in Bad Muskau geht es auf die Etappe nach Görlitz. Zunächst führt der Oder-Neiße-Radweg ein kleines Stück durch den Fürst-Pückler-Park.

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Am Parkausgang wartete eine Baustelle, nämliche jene, die die Freiluftgastronomie vom gestrigen Abend etwas beeinträchtigte.

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Nah an der Neiße entlang führt der Radweg nach Pechern, ein Ortsteil der Gemeinde Krauschwitz. Hier ist besonders sehenswert die alte Fachwerkkirche und die Dorflinde. Der Bauzeitpunkt der Kirche ist nicht bekannt, es gibt aber Hinweise auf das Bauwerk bereits Ende des 16. Jahrhunderts. Die unmittelbar benachbarte Linde ist ein geschütztes Naturdenkmal. Zum Alter der Linde habe ich keine Angaben gefunden. 1911 wurde sie durch einen Brand beschädigt, also ist die Linde deutlich über 100 Jahre alt.

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Allzuviel ist mir an der Strecke bislang nicht aufgefallen, denn jetzt habe ich 32 km seit Guben hinter mir und nach Pechern das „Brischkenwehr“ erreicht. Weitere Infos dazu habe ich nicht gefunden, nur dass hier 0,8 MW Elektroenergie aus Wasserkraft erzeugt werden.

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Hier am Wehr ist auch eine Infotafel zu sehen, die allerdings einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck hinterlässt.

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In Lodenau kann man vom Oder-Neiße-Radweg aus einen Blick auf ein der stillgelegten Bahnstrecken werfen. Hier ist schon lange nichts mehr gefahren. Und ähnliche Zustände war bei mancherlei Bahnbrücke zu erkennen oder in Beschreibungen auf Infotafeln am Rande war nachzulesen, dass Bahnstrecken reihenweise geschlossen wurden. Eine traurige Entwicklung.

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In Rothenburg auf der Priebuser Straße wartet ein Hindernis der anderen Art auf den Radfahrer. Eine ausgeschilderte Umleitung war nicht zu erkennen, aber es war eine parallel führende Straße zu sehen, die geeignet war, die Baustelle zu umfahren.

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Irgendwie habe ich von Rothenburg gar nicht viel gesehen, außer dieser Kirche.

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Südlich von Rothenburg bei Nieder-Neundorf stutzt man kurz beim Blick auf den Radwegweiser. Denn nach diesem geht es gerade aus weiter, nur da ist nichts, außer Feld.

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Kleiner Blick nach links lässt erkennen, dass der Radweg hier einen Versatz um etwa 20 nach links hat und in die Straße Am Taubenhübel führt.

An dieser Stelle trage ich gleich noch einige Bilder zusammen, die die Qualität des D-Radweges in Sachsen zeigen. Ich fand das regelrecht enttäuschend, dass eigentlich ab Bad Muskau doch immer wieder kleine Mängel in der Ausschilderung zu finden sind und auch die Wegequalität nicht durchgehend die Qualität der nördlicher gelegenen Bundesländer hat. Meine Erinnerung mag mich hier etwas täuschen und ich lasse mich von Lesern und Radlern entlang des Oder-Neiße-Radwegs gern korrigieren. Aber für mich war es auffällig.

Mein Navi schickte mich zum Beispiel diesen Weg entlang und in Blickrichtung sollte es weitergehen. Auf der Hauptstraße in Zodel hatte ich keinen Radwegweiser gesehen. Denn der versteckte sich ziemlich gut hinter frischem Grün, wie im zweiten Bild zu sehen ist.

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Hinter der A4 vor Görlitz geht es auch mal unbefestigt weiter und auch diese Poller-Gitter-Konstruktion ist der D-Radweg Oder-Neiße!

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Nach diesem kleinen Exkurs zur Qualität des Wegs in Sachsen zurück zu Strecke. Denn diese führt knapp 10 km südlich von Rothenburg an der Kulturinsel Einsiedel vorbei. Das ist ein Abenteuerfreizeitpark der anderen Art. Fahrgeschäfte, wie Achterbahn und Riesenrad sucht man hier vergeblich, dafür finden sich Holzhäuser und Steinbauten. Wer nur auf einen Imbiss in den Park möchte, erhält einen Passierschein, ansonsten muss Eintritt bezahlt werden. Voraussetzung ist allerdings, sicherlich je nach Jahreszeit, dass ein gewisser Kinderlärm ertragen wird.

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Allmählich nähere ich mich der Stadt Görlitz, das Wetter sieht allerdings nicht sehr freundlich aus und ich habe noch mindestens eine Etappe vor mir.

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In Ober-Neundorf kann wenige Meter vom Radweg entfernt ein Blick auf das dortige Schloss geworfen werden. Das Schloss stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und besitzt einzigartige Sgraffiti an der Außenfassade. Aktuell ist der neue Besitzer mit Sanierungsarbeiten zugange, ob diese Sgraffiti erhalten oder gar restauriert werden können, wird die Zukunft zeigen.

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Knapp 70 km seit Guben liegen hinter mir und kurz vor Görlitz geht es noch einen Anstieg hinauf. Vom „Gipfel“ am Friedhof lässt sich schon die Altstadt von Görlitz mit dem Reichenbacher Turm erkennen. Der Turm fand 1376 seine erste urkundliche Erwähnung.  Vom Friedhof geht es den Ziegeleiweg steil hinab zum Scharfrichterhaus und Finstertor, auch Armesündertor genannt.

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Allerdings frage ich mich, warum die Radwegeverantwortlichen den Oder-Neiße-Radweg vor Görlitz auf den Friedhofsberg hinauf führen. Vor Görlitz ging es kilometerlang durch die Dörfer in Neißenähe und auch das letzte Stück hätte man vielleicht über die Rothenburger Straße führen können. Aber nöööö, ein Berg ist doch viel schöner. Ich werde dazu mal nachfragen.

In Görlitz begrüßt „Katzenkopfpflaster“ den Radfahrer, besonders angenehm zu fahren, wenn es nass ist. Und ich musste feststellen, dass es Kunstparker überall gibt. Hier wird der Radfahr-Schutzstreifen gleich mal zum Parkstreifen umfunktioniert.

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Meine Quartier befindet sich direkt an der Neiße, an der Uferstraße. Ein altes Industriegebäude dient jetzt als Pension. Ich hatte ein Zimmer im Erdgeschoss mit hohen Fenstern und toller Aussicht auf die Neiße. Allerdings auch genau die Straßenlaterne vorm Fenster.

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Nachmittag und Abend galt dem Besuch der Görlitzer Altstadt, die sich wirklich sehen lassen kann. Untermarkt, Obermarkt bis hin zum Kaisertrutz und dem Gerrhat-Hauptmann-Theater finden sich überall sehr gut sanierte Gebäude. Nicht zuletzt hat sich Görlitz als Filmstadt einen Namen gemacht und wird auch als Görliwood bezeichnet. Die Bauten bieten eine prächtige Kulisse für manchen Film.

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Gegen Abend füllte sich der Untermarkt an einer Ecke immer mehr mit Musikern. Nach einigen Vorbereitungen begann gegen 19:30 Uhr ein Freiluftkonzert. Der Kellner im Vino E Cultura, in dem ich zu Abend gegessen hatte, meinte, das sei das Gegenstück zum Public Viewing Fußball-EM, das sei schon vor zwei Jahren zur WM so gemacht worden. Und offenbar kommt das bei Bevölkerung und Besuchern gut an.

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Das schöne Wetter am Abend konnte sich allerdings nicht weiter durchsetzen, wie am nächsten Tag auf der Etappe nach Zittau zu sehen sein wird.

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Ein Gedanke zu „Oder-Neiße-Radweg 2016 – Teil 5“

  1. Das ist ja eine wunderschöne Beschreibung des Oder-Neiße-Radweges. Dann wünsche ich Dir noch eine schöne Fahrt bis Zittau!! VG – Pit

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