E-Bike

Pit hatte im Kommentar zum Plauener Rundwanderweg  den Wunsch nach einem Testbericht geäußert. Dem komme ich natürlich gern nach. 

Definitionen 

Aber an den Anfang etwas zu den Begriffen. Fahrräder bzw. fahrradähnliche Fortbewegungsmittel mit Elektromotor werden in drei Kategorien eingeordnet.

E-Bike E-Bike ist eigentlich der geläufigste Begriff für die üblichen Fahrdäder mit Untestützung durch einen Elektromotor und Begrenzung der Unterstützuung bis 25 km/h. Aber  diese landläufige Auffasung ist falsch. 

Ein E-Bike , oder genauer Elektro-Leichtmofa ,  fährt rein elektrisch und benötigt keine Muskelkraft  zur Fortbewegung.  Diese dürfen maximal 20 km/h schnell sein. Außerdem  gilt ein Mindestalter von 16 Jahren, der Fahrer muss die Fahrerlaubnis Klasse B besitzen, es besteht Helmpflicht  und noch einiges mehr. 

Radwege dürfen mit E-Bikes nicht  befahren werden. Ausnahme ist seit 01.01.2017  die Kennzeichnung eines Radweges mit dem  Verkehrsschild „E-Bike frei“.

[Bildquelle: Wikipedia]

Außerdem nehme ich an, dass E-Bikes nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden dürfen.

Pedelec Pedelec ist die Abkürzung für Pedal Electric Cycle.  Hier liefert der Elektromotor nur dann seine Unterstützung, wenn auch in die Pedale getreten wird.  Aber hier ist bei 25 km/h Schluss mit lustig und  es geht nur mit reiner Beinkraft schneller weiter.

Es wird keine Führerschein und keine Versicherung benötigt. Diese Fahrzeuge  gelten als Fahrrad.  Also dürfen Radwege benutzt werden oder sind unter bestimmten Voraussetzungen zwingend zu nutzen und  das Bike kann in  Bahn und Bus mitgenommen werden.

S-Pedelec S-Pedelec  sind im Grunde schnellere Pedelecs. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 45 km/h, bis 18 km/h sogar ohne  Einsatz von Muskelkraft.  Ansonsten gilt auch hier ein Mindestalter von 16 Jahren, Führerschein Klasse B, Versicherungspflicht, Helmpflicht,  eine Reihe technischer Vorschriften , keine Kinderanhänger, Alkoholgrenze wie bei einem PKW  und und und….

Im ÖPNV können diese Fahrzeuge  teilweise mitegenommen werden, das regelt der jeweilige Verkehrsverbund bzw. Verkehrsträger.

Im üblichen Sprachgebrauch  habe ich die Bezeichnung Pedelec  eigentlich  kaum vernommen, alle sagen dazu „E-Bike“ und so werde ich das auch hier handhaben. Die genaue Unterscheidung  verwenden vielleicht Fachhändler, Juristen, Verkehrsplaner und  -verwalter. 

Ansichten zum E-Bike

Vor einigen Jahren waren E-Bikes  echte Exoten.  Das Bild hat sich gewandelt. Eigentlich alle namhaften Hersteller haben derartige Bikes im Programm. Auf Veranstaltungen, wie beim Radwandertag der Stadtgalerie Plauen, nimmt der Anteil E-Bikes auffällig zu und mein Fachhändler sagte mir, dass aktuell mehr E-Bikes verkauft werden, als die „normalen“  Räder.  

Bislang gehörte ich auf den Strecken des  Radwandertages zu jenen, die  mit den Augen rollend sich an Bergen von E-Bikes überholen ließen.  „Zu faul zum Treten“ oder „Cheater“ [ein Begriff aus der Computerspieleszene] waren Gedanken, die in dem Moment durch den Kopf gehen.  Oder „Ich brauch doch kein E-Bike, bin doch gut trainiert und fit.“ 

Jetzt habe ich mich entschlossen, auf Elektrounterstützung  umzusteigen und muss nun selbst derartige Meinungen anhören. Da kommt schon mal ein (lustig gemeintes)  „Schäm Dich!“ oder „Vor der Rente kauf ich so ein Ding nicht.“ Aber auch den erstaunt-deprimierten Satz „Der schaltet bergauf noch Gänge hoch….“  habe ich schon gehört, mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Es ist, als ob hier zwei Welten aufeinander prallen.

Der Kauf

Bevor ich solch eine Anschaffung tätige, erkunde ich den Markt. Hersteller, Ausführungen, Testberichte werden studiert.  Preis und Leistung verglichen.  Fest stand auf jeden Fall, es muss wieder ein Mountainbike sein. 

Ich habe mir bei einem Händler  ein Focus angesehen und probiert. Ich möchte dem Hersteller nicht zu nahe treten, aber mir kam das optisch so vor, als ob man der Meinung war,  in ein bestehendes MTB mal einen Motor einzubauen. Es fehlte mir die  optisch gelungene Integration der Komponenten in das Bike. Und es kam mir vom Rahmen her etwas schwach gebaut daher.

Bei meinem Stammhändler habe ich mich dann weiter umgesehen. Und mit  meinem angesetzten Budget, meinem Nutzungsverhalten und meiner Körpergröße fiel die Entscheidung zugunsten des Haibike  SDURO 5.5 hardseven.  

Da war dann noch die Frage, behalte ich mein altes Bike. Aussage des Verkäufers “ Du wirst nicht wieder damit fahren!“ Also wurde noch ein Rückkauf vereinbart und ganz wichtig, die Werkstatt wird meine SRAM Guide 2015 Bremsanlage vom alten aufs neue Bike umsetzen. Die ist doch etwas besser, als die serienmäßige Tektro.  

Der ganze Kleinkram konnte auch weiterverwendet werden, wie da sind Stecklampen vorn und hinten, Schutzbleche  wenn es mal auf schlammige Strecken geht, Rahmentasche für Ersatzteile und Werkzeuge, Halterung fürs Navi, Klickpedale, die ich nicht mehr missen möchte.

Aber es gibt Dinge, die passen nicht oder nicht auf Anhieb. Für die Wasserflasche ist im Rahmen kein Platz mehr, denn da sitzt der Akku.  Dafür habe ich eine Halterung gekauft, die die Flasche am Sattel hinter mir befestigt.

Für meine Radreisen benötige ich noch eine Idee, um die Lenkertasche zu befestigen, denn genialerweise ist das Yamaha-Display genau in der Mitte des Lenkers und  hat nahezu exakt die Breite der Klickfix-Halterung.

Der Thule-Gepäckträger lässt sich am Heck anbauen, aber da ist  auf die verlegten Leitungen  von Bremse und Schaltung zu achten. Sollte aber funktionieren.

Fahrbericht

Der Elektromotor ist ein Yamaha-Mittelmotor mit 250 W Leistung, der Akku hat eine Kapazität von 500 Wh.  Die Schaltung ist ein eigenartiger Mix aus Shimano  Deore (Schaltwerk)  und XT (Umwerfer) und bietet 2×10 Gänge.  Die Federung vorn übernimmt eine  SR Suntour XCR Air mit  Remote Lockout.  Das Hinterrad ist nicht gefedert, da ich  ein Hardtail bevorzuge.

Yamaha stellt 5 Unterstützungsstufen bereit, die über die Bedieneinheit links am Lenker gesteuert werden. Diese Stufen reichen von  „Aus“ über  +Eco, Eco, Standard zu High.

Zusätzlich gibt es eine „Schiebehilfe“. Damit wird bis etwa 5 km/h Unterstützung geliefert, wenn der entsprechende Schaltknopf dauerhaft gedrückt wird. Das ist sinnvoll bei Treppen mit Fahrradspur, um das doch deutlich schwerere E-Bike mit vertretbarem Kraftaufwand  zu bewegen. Allerdings ist der Schalter etwas ungünstig an der Unterseite der Steuereinheit angeordnet und lässt  sich nur schwer drücken.  Zumindest  ist das bei mir so. Werde ich beim nächsten Werkstattcheck mal vergleichen und prüfen lassen.

Bei +Eco soll der Akku über 200 km  Unterstützung bieten.  Aber das geht nur im flachen Gelände auf Asphalt ohne Gegenwind in aerodynamisch günstiger Sitzhaltung. Ansonsten ist es  davon abhängig, wie weit ich fahren will. Ist es nur eine kurze Strecke, kann ich mir den Spaß erlauben und fahre komplett in Stufe „high“. Ist eine  Langstrecke geplant, ist es unbedingt zu empfehlen, etwas Energiemanagement zu betreiben, also Unterstützungsstufe  runter, wenn es flach ist oder nur leicht bergan geht.  Und am Berg  runterschalten, auch wenn der  Motor das mit einem höheren Gang durchziehen  würde.

Die Motorunterstützung geht bis etwa 25 km/h. Ab diesem Tempo wird es schlagartig zäh beim Treten, aber  bis deutlich über 30 km/h kann man locker fahren. Wie ich in Haselbrunn  feststellen musste, weil mich ein Blitzer erwischt hat.   🙄  

Meine bislang längsten Strecken waren  57 km Plauen-Zwickau,  65 km  entlang der Fuchsbachtal-Route bei Ronneburg und  70 km Elsterradweg  Bad- Brambach – Quelle – Plauen.

Bei allen drei Strecken hatte ich am Ende der Tour noch Restkapazität im Akku. Der Test nach Zwickau hat mir gezeigt, dass ich die Strecke auch bis zu meiner Familie bei Glauchau  ohne große Probleme schaffen kann, und das sind etwa 90 km.

Klar ist, dass die Reichweite abhängig ist von der gewählten Unterstützung, vom Höhenprofil der Tour und vom Straßen- oder Wegebelag.  Weicher Waldweg braucht mehr Energie, als ein asphaltierter Radweg. 

Der Motor setzt mit seiner Unterstützung sofort  beim Lostreten ein. Stellt man die Stufe auf „high“  sollte man sich am Lenker festhalten, nicht dass das Bike unterm A…Hintern  davonfährt.  😉  Viel zu hören ist nicht, erst wenn richtig Leistung gefordert ist. 

Ein leerer Akku ist in geschätzt 4 Stunden wieder komplett einsatzbereit. Sofern man das Ladegerät  dabei hat. Daran sollte man also  bei richtig langen Strecken mit entsprechend  geplanten Pausen  denken.

Die 27.5″ Räder sind im Vergleich zu meinen bisherigen 26″ ein spürbarer Unterschied. Es rollt leichter und manche Wurzel oder  Absatz sind kein Thema mehr. 

Resümee 

Es ist ein völlig neues Fahrgefühl. Klar bin ich die vogtländischen Berge auch ohne E-Antrieb rauf und runter gefahren. Habe geschwitzt und geflucht und war manchmal froh, wenn  ich endlich den Berg hinter mir hatte. 

Jetzt habe ich schon beim Bergfahren  Spaß.  War voriges Jahr noch die Überlegung „Fährste jetzt wirklich die Runde an die Talsperre Pirk? Die lange Oelsnitzer Straße bergauf?  Oder doch lieber  was kürzeres mit weniger Berg?“, so spielt das eigentlich gar keine Rolle mehr. Musste  doch immer wieder mal der innere Schweinehund niedergerungen werden, so meldet der sich jetzt gar nicht erst.

Und wenn ich eine kurze Strecke fahre und das komplett mit Unterstützungsstufe „high“ wird vermutlich neben Adrenalin auch jede Menge Dopamin (oder ein ähnliches Hormon)  ausgeschüttet.  😀 

Natürlich  muss man seine eigenen Ansprüche und Vorstellungen der Nutzung eines  Bikes sehen. Wer sich richtig auspowern will oder am Stück 200 km fahren will, ist mit dem E-Bike eher schlecht beraten. Ich möchte mich einfach nur in der Natur an frischer Luft bewegen und einen  Ausgleich zum Schreibtischjob haben. Ich muss am Ende einer Radtour nicht fix und fertig vom Bike kippen, ich will mich bewegen, Kreislauf und Herz zu Aktivität bringen. Das geht auch mit dem E-Bike. 

Ich bereue meine Entscheidung zum Umstieg  keinesfalls.

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5 Gedanken zu „E-Bike“

  1. Wer E-Bike fahren will, soll das tun. Ich gönne ihnen sogar das offensichtliche Erfolgserlebnis, wenn sie mich am Berg überholen. Bei meinen Überlegungen, ob ich mir denn schon ein E-Bike zulegen sollte, war diese Seite sehr hilfreich:
    https://www.rad-lager.de/ebikes2016.htm
    Erst dann, wenn ich hier die Berge im ersten Gang nicht mehr hochkomme, werde ich mir so ein Teil zulegen.

  2. Hallo Malu!

    Auch von meiner Seite ein ganz großes Lob für deinen ausführlichen, informativen und strukturierten Artikel. Im Zeitalter der Informationsflut kann man als Leser sich einfach nur glücklich schätzen, wenn man einen Artikel dieser Art findet. Fokus wurde nur auf die relevanten und wichtigen Informationen gelegt. Mit einer geeigneten Struktur wird dem Leser sehr geholfen (besonders beim konkreten Suchen nach passender Info). Wie soll ich es sagen? Einfach weiter so!

    Besonders zu erwähnen ist die klare und scharfe Begriffsdefinition am Anfang des Artikel. Endlich jemand der mit dem Halbwissen aufräumt und für Klarheit sorgt. Ich bin ehrlich. Vor dem Artikel habe ich auch nur so mit den Begriffen um mir geworfen. Pedelec und E-Bike einfach in eine Schublade gesteckt… jetzt ist damit Gott sei Dank Schluss!

    Wie sagte einer meiner Lieblingskomiker so treffend: „Fahrradfahren ist für mich wie ein kleiner Urlaub.“ Und das wollte ich auch im höheren Alter nicht missen. Als junger Bursche in meinen goldenen Zeiten war kein Berg hoch genug oder Tour zu lang. Jetzt heutzutage muss man eben mal abwägen, welche Tour man machen will und schafft. Ich konnte mich stark in dem Artikel wieder finden. Und nun habe ich entschlossen umzusteigen. Fahrradfahren soll Spaß machen, es soll eben ein kleiner Urlaub sein. Also warum kein E-Bike? Und bei leasing-ebike.de gibt es die Möglichkeit ein E-Bike als Dienstrad zu leasen. Da ich sowieso fast täglich mit dem Rad zur Arbeit fahre, wäre das für mich eine sehr passable Lösung. Ich werde mich dahingehend noch intensiver auseinander setzen.

    Auch noch mal ein großes Dankeschön für das Resümee. Diese Zusammenfassung hilft mir wirklich bei der Frage „Umstieg – ja oder nein?“.

    In diesem Sinn wünsche ich allen eine sichere Fahrt und ein angenehmen Frühling. Grüße!

  3. Hallo Matthias,

    danke für Deinen ausführlichen Bericht. Ich gratuliere Dir zum neuen Mountainbike. Sieht richtig gut aus! Ich bin neulich mit einem geliehenen E-Bike gefahren und war auch begeistert. Ist schon toll, was heute technisch alles möglich ist.

    Viele Grüße – Pit

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