Falknerei Herrmann

Am Stadtrand von Plauen, im Ortsteil Reißig, ist die Falknerei Herrmann ansässig. Die Falknerei beschäftigt sich mit Aufzucht und Pflege von Greifvögeln und vermittelt das Wissen um dieses alte Jagdhandwerk jährlich Tausenden Besuchern. Neben Flugshows kann man auch einen Tag als Falkner erleben und die Tiere mit füttern, pflegen und trainieren. 

Ich hatte bislang zwei mal das Vergnügen, bei einer solchen Flugschau am Standort im Gewerbegebiet Reißig dabei zu sein. Neben imposanten Flugmanövern der Greifvögel wurde jede Menge an Wissen über diese Tiere vermittelt. Anfang November geht die Saison in der Falknerei zu Ende und die Tiere in die Winterpause.

Die große Frage ist derzeit, wird die Falknerei ihre Tore im nächsten Jahr wieder in Plauen öffnen? 

Jetzt nutzt die Falknerei ein Grundstück im Gewerbegebiet, das seitens Stadt Plauen für gewerbliche Ansiedlung vorgesehen ist. Die Falknerei soll daher umziehen in ein Areal am knapp 1 km entfernten Umwelt- und Naturschutzzentrum Pfaffengut. Das Jagdhaus  soll Sitz der Falknerei werden. Ich nehme an, dass es um die Fläche an der Pfaffengutstraße geht, ich weiß aber nicht genau ob ober- oder unterhalb des Jagdhauses.

  

Und jetzt ist hier ein regelrechter Streit ausgebrochen. Das Areal um das Naturschutzzentrum Pfaffengut wird von einem Betreiberverein bewirtschaftet und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat hier ebenfalls Flächen gepachtet. Und dann soll hier eine Falknerei hin? Das geht ja gar nicht.

Und mit verschiedenen , für mich zum teils abenteuerlichen,  Argumenten wird nun versucht, den Umzug des Falkners zu verhindern.

Die Naturfreunde Plauens haben dort ihr Vereinsheim, sehen aber gleich ihre Existenz bedroht. Geht es eventuell eine Nummer kleiner, liebe Naturfreunde? Naturschützer sehen im Umzug eine Gefahr für geschützte und bedrohte Vogelarten in nahe gelegenen Schutzgebieten. Die Falknerei ist jetzt rund einen Kilometer entfernt und wer sich das Flug-Video mit mit Seeadlerdame Kati anschaut, wird schnell sehen, dass Greifvögel sich nicht unbedingt an die Flurstücksgrenzen halten und schon etwas mehr als 100 oder 200 Meter vom Startort entfernt fliegen.

Der Kreisrat der Gründen, Thomas Hohl, bringt jetzt vor, dass die Politik mit zweierlei Maß misst und die Wirtschaft vor die Natur stellt. Ihn stört die Aussage des Plauener Bürgermeisters Levente Sarközy, dass es am Pfaffengut für die Greifvögel keine Gefahren durch Windräder oder Starkstromleitungen gäbe. Hohl verweist darauf, dass bei Windrädern oder Kabeltrassen streng geschützte Vogelarten ignoriert werden.

Mit der Kabeltrasse ist vermutlich die geplante Trasse zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung von Lauchstädt bei Leipzig nach Meitingen in Bayern gemeint. Und bei Windrädern möchte ich einwerfen, dass erstens in Plauen keine Windräder über 10 Meter Höhe stehen und die Genehmigungsbehörde für Windräder über 50 m Höhe das Landratsamt Vogtlandkreis oder eine übergeordnete Behörde (je nach Größe) ist. Und im Landkreis sitzt Herr Hohl im Kreistag. Völlig falsche Adresse, Herr Hohl!

Und die Windkraftanlagen sind ja auch ein Wunschkind grüner Energiepolitik, mit all ihren Problemen volatiler Energieversorgung. Und bekannt als Vogelshredder. Aber da „erneuerbar“ eben ökologisch.

Und der Naturschutzbeauftragte Bernhard Weisbach sieht in der Falknerei die Dressur von gezüchteten Wildtieren, das hätte mit Naturschutz nicht viel zu tun, es müsse ein anderer Standort gefunden werden. Aber, Herr Weisbach, wenn es Dressur ist und mit Naturschutz nichts zu tun hat, sollten Sie dann nicht eher konsequent gegen Falknerei sein?

Könnt ihr Naturschützer nicht einfach mal einer Sache positiv gegenüberstehen und nicht nur verhindern, sondern auch Chancen und Vorteile sehen, die sich durch gemeinsame Arbeit mit der Natur ergeben? Und Vorteile scheinen sich da zu ergeben, denn wie von Falknerei und Zweckverband Talsperre Pöhl zu hören war, ist das sogenannte Kombiticket Schiffstour auf der Pöhl und Besuch der Falknerei offenbar sehr erfolgreich.

Aber es stellt sich die Frage: Wie lange noch?

Gestern wollte sich der Stadtrat von Plauen damit befassen, das Ergebnis kenne ich leider noch nicht.

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Etwas Mathematik...