Urlaub im Harz

Für eine Woche meines Jahresurlaubes habe ich mir den Harz ausgesucht. und Quartier in Hasserode genommen, ruhig gelegen und ein guter Ausgangspunkt für viele Radtouren. Ich hatte mir im Vorfeld einige Tourenvorschläge zusammengesucht. Erste Runde, die ich fahren wollte, nannte sich „Steinerne Renne“. Der Name leitet sich von Rinne ab, und das es steinig wird, habe ich schnell bemerkt. Zunächst ging es am Wasserkraftwerk „Steinerne Renne“vorbei und dann einen arg schottrigen Weg bergan. Als die Steine dann eher in Form von größeren Blöcken den Weg darstellten, habe ich mich doch zur Umkehr entschlossen.

Die nächste Tour trug den auffälligen Namen Zanthiersteinrunde. Zu Beginn und auch lange Zeit während der Tour, wurde nicht klar, was zu dem Namen geführt. hat. Auch die Wegweiser brachten hier nichts erhellendes. Übrigens werden hier die Wegweiser einfach an den Baum genagelt. Zack, fertig. Und schon fast am Ende der Runde kam die Lösung des Namensrätsels. Zu Ehren des Oberforstmeisters Hans-Dietrich v. Zanthier (1778 verstorben) wurde durch Graf Christian Friedrich zu Stolberg Wernigerode ein Gedenkstein gesetzt, der Zanthierstein. Eigentlich ganz einfach.
In Wernigerode konnte ich noch den Abschluss des Hoi An Lampionfestes erleben. Hoi An ist eine Partnerstadt von Wernigerode in Vietnam. War sehr interessant, vor allem wenn die vietnamesischen Darsteller „Horch was kommt von draußen rein“ in ihrer Sprache mit ihren Instrumenten spielen. Und ein „bike and barbecue“ habe ich auch noch gesehen, konnte allerdings nicht klären, was sich dahinter verbirgt.

Eine weitere Tour führte mich zum Eckerstausee. Etwas seltsam mutet es an, wenn man eigentlich mitten im Wald auf eine offizielle und auch regelmäßig bediente Bushaltestelle trifft. Der Bus fährt nicht oft, aber für Wanderungen gut geeignet, um zumindest am Nachmittag noch zurück in die Stadt zu kommen, falls man sich verläuft oder die Tour unterschätzt.
Durch den Harz verlief früher die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten, Reste davon sind auch heute noch sichtbar, beispielsweise alte Kolonnenwege, die jetzt als Rad- und Wanderwege dienen.

Am Eckerstausee verlief die Grenze mitten durchs Gewässer und mitten durch die Staumauer. eine alte Grenzsäule weist darauf hin. Problematisch war vor allem, dass Anlagen der Wasserversorgung für westliches Territorium im Osten lagen und das Betriebspersonal nicht über die Grenze durfte. Erst 1978 wurde das mit einer Regierungsvereinbarung wieder ermöglicht.

Von hier ging es noch zum Molkenhaus (leider geschlossen), zu einem Luchsgehege (keine Luchse gesehen) und zum „Kreuz des Ostens“ oder auch „Kreuz des deutschen Ostens“. Davon gibt es offenbar etliche in Deutschland, das hier im Harz wurde 1950 errichtet. Allerdings fiel das alte Holzkreuz 1998 einem Sturm zum Opfer und die neue Konstruktion aus Edelstahl und Douglasienholz wurde 2000 aufgebaut. Diese Kreuze sollen an die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen erinnern, eine Folge des Zweiten Weltkrieges. Auf Steinen rundherum sind Wappen ehemaliger östlicher Regionen zu sehen.
Die Rückfahrt führte mich noch am Kloster Drübeck vorbei. Das Kloster hat inzwischen eine über 1000jährige Geschichte. Heute dient es als Tagungsstätte der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Aber auch Übernachtungsgäste und Café-Besucher sind herzlich willkommen.

Höhepunkt meiner Touren war natürlich eine Brockenauffahrt, ich hatte mir eine Strecke von 19 km Länge ausgesucht, aber von Wernigerode bis zum Gipfel kommen auch rund 900 Höhenmeter zusammen und es geht im Grunde permanent nur bergauf.
Ich hatte schon zuvor gelegentlich die erheblichen Waldschäden im Brockengebiet gesehen, bei der Fahrt zum Gipfel kam ich nur allzu nah daran vorbei. Zwei Stunden und 15 Minuten reine Fahrzeit waren es am Ende bis zum höchsten Punkt.
Für die Rückfahrt hatte ich eine Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn vorgesehen. Eine weise Entscheidung, wie ich während der Fahrt feststellen durfte. Denn ab kurz vor Schierke öffnete der Himmel seine Schleusen. Die Zugbegleiterin war nur kurz draußen, um das Abfahrtssignal zu geben und kam völlig durchnässt zurück.

Eine Tourismusbroschüre wies auf ein Luftfahrtmuseum in Wernigerode hin. Mir war bislang kein Zusammenhang zwischen der Stadt und Flugzeugen bekannt, aber das wollte ich mir dann schon mal ansehen.
Fazit: Respekt, ein tolles Museum, sehr viele Ausstellungstücke, ganze Flugzeuge in Originalgröße, größtes Objekt ist eine Transall auf dem Dach! Aber auch viele Flugzeugteile durch verschiedene Epochen und zwei Simulatoren zum Selberfliegen. Ich habe dort die „Lizenz“ für die Messerschmidt BF-109 erworben. 😉
Auch meine Frage, wie Wernigerode zu dem Museum kommt wurde mir von einem freundlichen Mitarbeiter beantwortet. Clemens Aulich war 1992 mit Sanierung und Privatisierung des alten Elmo-Geländes beauftragt und entschied, dass die alten Hallen gut für seine Leidenschaft des Fliegens geeignet seien. So entstand ein bemerkenswertes privates Museum.

Ein weitere Tour führte mich quer durch den Harz in südlicher Richtung an die Rappodevorsperre, zum Turm auf der Carlshaushöhe und von dort nach Beneckenstein für die Rückfahrt per Schmalspurbahn.
Die Radtour führte zumindest entlang der Vorsperre durch recht unwegsames Gelände.
Der Turm dient der Harzer Schmalspurbahn als Sendemast, ist aber als Aussichtsturm zugänglich. In Benneckenstein kam ich am sehenswerten historischen Feuerwehrdepot vorbei. Soweit ich das gesehen habe, gibt es Bahnhof aber inzwischen ein größeres und moderneres Gebäude.

Für die Fahrt zurück nach Wernigerode nutze ich entspannt die Bahn. Ein nettes Detail sind die Zuganzeiger, wie hier in Drei Annen Hohne. Modernes Display in einem passenden und typischen Gehäuse des Dampflok-Zeitalters.

Einen Tag habe ich vom Radfahren pausiert und bin mit dem Bus Richtung Thale gefahren. Von hier aus ging es mit den Seilbahnen zum Hexentanzplatz und zur Roßtrappe. Und die Hexen in der Werbung sehen auch nicht mehr schrumplig, wie Baba Jaga, aus…

Eine letzte Tour ging von Wernigerode nach Quedlinburg und zurück, ist eine eher flache Tour. Irgendwelche Sehenswürdigkeiten hatte ich mir nicht vorgemerkt, ein Hinweisschild in Langenstein mit der Bezeichnung „Höhlenwohnungen“ weckte doch meine Neugier zu einem kleinen Umweg.
Es sind tatsächlich in den Fels getriebene Höhlen, die zur Wohnung ausgebaut waren. Zuletzt waren diese bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewohnt. Die zeitlichen Ursprünge sind nicht bekannt, werden aber in der germanischen Siedlungszeit vermutet. Die Höhlen können besichtigt werden, samt der vorhanden Ausstattung. Aber Achtung, es gibt keine Öffnungszeiten. Für Führungen sollte man sich zuvor anmelden.
Ich hatte Glück, das ein Vereinsmitglied auf angemeldete Besucher wartete und so noch etwas Zeit für mich hatte. Sehenswert!

Damit war meine Woche Harz fast zu Ende. Auf der Rückfahrt habe ich die Strecke so gelegt, dass ich mir noch TITAN ansehen konnte. Eine 500 m lange Drahtseilbrücke über die Bode direkt an der Staumauer der Rappbodetalsperre. Ja, das Teil schwankt beim Begehen ganz schön hin und her.
Ganz Mutige können an der Zipline ins Tal hinabrasen oder einen Gigaswing unter der Brücke absolvieren.

Das waren meine Impressionen vom Radurlaub im Harz. Meine zweite Urlaubswoche führte mich dann ins Erzgebirge und auch das Vogtland kam nicht zu kurz. Dazu später mehr.

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