Verkehrsentwicklungsplan Stadt Plauen

Nach der kurzen Notiz zur Ausschusssitzung mit dem Thema Verkehrsentwicklungplan berichte ich heute etwas ausführlicher zu den Ergebnissen der Onlinebefragung zum Rad- und Fußgängerverkehr in Plauen. Einige der kritisierten Punkte habe ich mir extra noch aktuell angesehen.

Im Ausschuss wurden vorgestellt, dass sich aus den Antworten der Radfahrer sich folgende Aussagen ergeben:

  • 78% der Teilnehmer fühlen sich als Radfahrer in Plauen unsicher oder teilweise unsicher
  • 61% schätzen die Rücksichtnahme als unzureichend ein, insbesondere seitens Führer von Kraftfahrzeugen, hier wird insbesondere das Thema Abbiegen und Abstand beim Überholen genannt
  • 57% geben eine schlechte Erreichbarkeit des Zentrums und der Ortsteile an
  • 68% bemängeln eine schlechte Infrastruktur
  • 58% erachten die Anzahl an Abstellmöglichkeiten als zu gering, bemängelt wurden die Bereiche Zentrum, Bahnhof  und Endhaltestellen der Straßenbahn, die Qualität der Abstellanlagen sei sehr gemischt

Als ein bemerkenswertes Ergebnis stellt Hannes Lemke heraus, dass sich 84% der Radfahrer auf Fußwegen sicherer fühlen, als auf der Straße. „Das ist eigentlich nicht so gedacht.“ ist sein Kommentar dazu.

Anmerkungen von mir: Mangelnde gegenseitige Rücksichtnahme stelle ich auch häufig fest. Fehlende Abstellmöglichkeiten wurden von mir auch genannt, vor allem der Bereich Klostermarkt wurde von mir genannt – das mag daran liegen, dass ich gern im Café Trömel zu Gast bin. An den Endhaltestellen habe ich noch nicht so aufmerksam hingesehen, da kenne ich nur die Endhaltestelle am Rosa-Luxemburg-Platz. Dort ist eine überdachte und relativ wenig genutzte Abstellmöglichkeit.

Für diesen Artikel habe ich mir die Endhaltestellen aber jetzt angesehen. Und so sieht das aus:

Hannes Lemke wertet weiter aus, an welchen Stellen sich Radfahrer vor allem unsicher fühlen. Hier werden genannt:

  • Pausaer Straße (Anmerkung: vermutlich Oberer Bahnhof bis zur Straße Am Stadtwald, ab da verläuft ein Radweg bis Syrau)
  • Neundorfer Straße, Zentrumsnähe
  • Kreuzungsbereich B173/B92 (auch als Sauinsel bekannt)
  • Äußere Reichenbacher Str. (vermutlich der Abschnitt um Bauhaus bis Voigtsgrüner Weg)
  • Friedensstraße (das kann ich nicht nachvollziehen, hier ist beidseitig der Fußweg für Radfahrer freigegeben, gut man muss natürlich auf Fußgänger Rücksicht nehmen)
  • Hammerstraße

Einige der genannten Stellen bin ich auch noch einmal für den Artikel hier angefahren.

Teil der Befragung waren auch Vorschläge zur Verbesserung. Und aus der Wunschliste ergibt sich folgendes Bild:

  • 27% wünschen sich mehr Infrastruktur für Radfahrer
  • 12 % eine bessere Qualität der Infrastruktur
  • 9% sichere Querungen

Die Auswertung im Ausschuss umfasste ebenso den Teil Fußgänger. Ganz kurz möchte ich auch dazu berichten. Aus ähnlichen Fragestellungen, wie bei den Radfahrern ergibt sich:

  • 71% der Fußgänger fühlen sich sicher
  • 59% empfinden die Querungen als ausreichend
  • 68% halten die Instandsetzung der Fußwege für unzureichend
  • 64% finden die Pflege und Sauberkeit der Wege in Ordnung

Als unsichere Straßen und Bereiche wurden von den Teilnehmern genannt:

  • Bahnhofstraße, wobei hier angemerkt wurde, dass offenbar Radfahrer besonders in der Kritik stehen, die mit unangepasster Geschwindigkeit fahren
  • Neundorfer Str.
  • Oelsnitzer Straße, vor allem im Bereich der Tankstelle
  • Altstadt/Markt

Anmerkung von mir: Hinsichtlich Neundorfer Straße hatte ich schon einmal berichtet, dass der Fußweg auffällig mit Werbeaufstellern und Warenauslagen zugestellt ist. (Artikel)

Als Verbesserungsmaßnahmen wünschen sich die Teilnehmer der Befragunng bessere Qualität der Fußwege, mehr Querungen  und verstärkte Verkehrsüberwachung.

Für den weiteren Ablauf stellt Hannes Lemke für das 3. Quartal einen Maßnahmeteil in Aussicht, der öffentlich ausgelegt wird. Im 4. Quartal könne dazu ein Beschluss im Stadtrat getroffen werden.

In der anschließenden Diskussion gab Lemke noch Auskunft auf Fragen der Ausschussmitglieder. So hätten 824 Bürger an der Befragung teilgenommen, davon waren 39% Radfahrer. Das sei zumindest eine Anzahl, die eine Analyse zulassen. Auf die Frage, ob man denn mit Radfahrstreifen am Straßenrand schon für mehr Sicherheit sorgen könne, meinte Lemke, dass dazu die Fahrbahnbreite reichen muss und die Verkehrsdichte nicht zu hoch sein darf. Auf die Frage, ob es Schwerpunkte für Unfälle mit Radfahrern gäbe, wurde mitgeteilt, dass es keine Schwerpunkte aber eine Häufung im Bereich Bahnhofstraße gäbe.

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder, so mein Empfinden, war zum Teil deutliche Kritik zu hören, dass hier umfangreich an Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs geplant wird. Hannes Lemke äußerte sich sozusagen als Fazit mit der Anmerkung, dass wir hier Möglichkeiten für die nächste Generation schaffen.

Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und lässt nicht so schnell das Auto zugunsten des Fahrrades stehen, auch nicht bei Unternehmungen, die mit einem Rad ohne Weiteres zu erledigen sind.

Evelyn Schramm, Leiterin der Plauener Straßenverkehrsbehörde stellte im Anschluss eine Verbesserung für Radfahrer im Stadtgebiet vor. Die Kauschwitzer Straße wurde im Bereich nördlich Stadtpark bis oberhalb des Sportplatzes des ESV Lok Plauen e.V. saniert. Bei einer jetzt vorhanden Straßenbreite von 4 m kann zumindest ein Teil für Radfahrer auch entgegen der Fahrtrichtung (die Kauschwitzer Str. ist ab Stadtpark stadtauswärts Einbahnstraße) genutzt werden. Bis zu einem Weg zwischen Kleingartenanlagen hindurch wird es für Radfahrer in beiden Richtungen nutzbar sein. Die Gartenanlagen haben laut Regionalverband der Vogtländischen Kleingärtner e.V. die Namen „Rundblick e.V.“ und „Rußhütte e.V.“.  Das ist für Radler vielleicht nicht wichtig, ich wollte es aber wissen. 😉

Und wie schaut das jetzt in der Realität aus?
Am Ende der Wartburgstr., Ecke Jenaer Str. führt ein Weg zwischen den Gartenanlagen hindurch, der für Radfahrer freigegeben ist. Allzu breit ist der Weg nicht, aber prinzipiell nutzbar.

Die Kauschwitzer Str. ist als Einbahnstr. ausgewiesen. Freigabe für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung? Fehlanzeige.
4 Meter Breite klingen im Grunde ausreichend, wenn allerdings am Rand geparkt wird (ich weiß nicht, ob dort geparkt werden darf), werden die 4 m schnell knapp.

Jetzt bin ich doch optimistisch, dass die angekündigte Freigabe mit einer entsprechenden Beschilderung umgesetzt wird. Ich werde das im Laufe des Frühjahrs wieder ansehen.

Diesen Artikel teilen mit: Email this to someone
email
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter

2 Gedanken zu „Verkehrsentwicklungsplan Stadt Plauen“

  1. Ich fand das Fahrradfahren in Plauen ziemlich unübersichtlich, vor allem die Strecke vom Bahnhof in die Innenstadt. Manchmal bin ich aus Verzweiflung über Fußwege gefahren wo alles chaotisch dicht war, und so lange keine Straßenbahn kam, bin ich einfach zwischen den Straßenbahnschienen gefahren. Das ging meistens am besten. Irgendwie alles nicht ganz einfach. Als Auswärtiger hat man ja überhaupt keine Ahnung wo es lang geht. Die großen Straßen fand ich nicht so gefährlich, weil ich dort von der Autofahrern gut gesehen werde, und mehr als überfahren können sie mich auch nicht. Ansonsten denke ich, das ist bei Euch nicht anders als in Dresden: geredet wird viel, ändern tut sich wenig. Mal sehen.
    Viele Grüße aus Dresden – Pit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Etwas Mathematik...