Werratal-Radweg – Tag 2: Seltsame Objekte

Eigentlich sollte meine zweite Etappe bis Bad Salzungen führen. Die Quartiersuche brachte einige Absagen, weil ausgebucht oder Hotelbetrieb wegen der Politik der Landesregierung (wurde mir tatsächlich so mitgeteilt) eingestellt. In einem Hotel in Breitungen/Werra habe ich letztlich erfolgreich buchen können.

Vor dem Start mit dem Rad gibt’s natürlich ein ordentliches Frühstück. Hier begegnete mir ein erstes „seltsames Objekt“. Naja, ganz so seltsam ist es nicht, hängt vermutlich in jedem Restaurant: „Aushangpflichtige Gesetze“. Ich habe mich beim Anblick der Gesetzessammlung gefragt, ob jemals irgendwo irgendwer in so etwas geguckt hat, außer aus reiner Neugier. Mit diesen Gedanken und frisch gestärkt verabschiede ich mich vom Gasthof Zur Grünen Aue.

Nach kurzer Fahrt komme ich ans Kloster Veßra. Klosterbetrieb findet nicht mehr statt, der ganze Komplex ist ein Museum und ein Besuch auf jeden Fall empfehlenswert.

Auf meinen Radtouren bin ich an etlichen Klostern vorbeigekommen, in einem sogar übernachtet. Viele davon waren noch als Kloster in Nutzung. Wieso Veßra nicht? Auf einer Infotafel stand, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine Profanisierung stattfand. Die nette Mitarbeiterin vom Museum konnte mir das erläutern. Ursache war die Anfang des 16. Jahrhunderts beginnende Reformation. Allerdings erklärt das noch nicht, wieso – ich glaube das ist hauptsächlich im Osten, also Lausitz und Oder-Neiße-Gebiet – andere Kloster dem nicht zum Opfer gefallen sind.

Der Werratal-Radweg ist weitestgehend sehr gut ausgeschildert, nur an ganz wenigen Stellen (außer bei Sperrungen durch Baustellen) hat vielleicht mal noch ein Wegweiser gefehlt.
Entlang der Werra stehen regelmäßig große Infotafeln, teilweise mit einem Fahrrad dekoriert. Verwirrend fand ich an dieser Tafel, dass das gezeigte Höhenprofil und das Streckenprofil (auch mit Höhen) in entgegengesetzte Richtungen gezeichnet sind. Eigentlich geht es ja in Richtung Mündung bergab und mit Leserichtung links-rechts zeigt das Streckenprofil plötzlich einen Anstieg. Das muss man erstmal verstehen.

Nach dem Kloster Veßra geht’s durch Themar, dem Ort, wo ich eigentlich ursprünglich übernachten wollte.
Die gesamte Gegend entlang der Werra ist architektonisch geprägt durch Fachwerkhäuser, wie beispielsweise die Tourist-Info am Markt in Themar.
Mur wenige Meter weiter weist eine Plakette an einem Haus darauf hin, dass in dem Haus ein gewisser Heinrich Mylius lebte, der Erfinder des Tretkurbelfahrrades. Mylius lebte von 1813 bis 1892. Allerdings ist das laut Wikipedia strittig, das Fischer-Tretkurbelrad könnte eventuell doch älter sein.

Der Werratal-Radweg führt über diverse Brücken der Werra, große Strecken des Radweges sind ordentlich ausgebaut.

Vor Obermaßfeld beginnt entlang des Radwegs ein Planetenweg, der über eine Länge von rund 6 km von Vachdorf bis Einhausen reicht. Der Planetenweg befindet sich auch in der Sammlung von Udo Dreher unter sternfreunde.de Dort sind auch die restlichen Fotos der Planetentafeln veröffentlicht.

Es fällt vielleicht nicht ganz unter die Beschreibung „Seltsame Objekte“, sondern eher unter „Humor am Wegesrand“. In Belrieth wurde der Klimawandel anschaulich dargestellt.

Brücken sind ein ständiger Begleiter entlang der Werra. Entweder um den Fluss zu überqueren, zum Teil mit Brückenkonstruktionen aus vergangenen Jahrhunderten oder um gleich das gesamte Werratal zu überspannen.

Hinter Obermaßfeld allerdings erschein am Horizont auf dem Bergkamm ein seltsames Objekt. Eine Art silberner Kuppel. Ufo habe ich gleich verworfen, wenn die Außerirdischen intelligentes Leben suchen, dann nicht hier. Ein Aussichtsturm? Sendemast mit Ausblick? Ich habe wirklich längere Zeit gesucht, um zu klären, was das ist. Es handelt sich um den Wasserturm Dreißigacker. Dreißigacker ist ein Ortsteil von Meinungen und der Turm steht im Gewerbegebiet. Er gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Kurz darauf begegnen mir mehrere Gestalten in Holz. Ich glaube, es standen insgesamt vier derartige Figuren. Und was hat es mit den seltsamen Kunstwerken auf sich?

Laut Google Maps handelt es sich um das Kunstwerk „Sechs Meinungen“ vom litauischen Künstler Edvardas Racevicius. Entstanden soll es 2005 sein. [Quelle: Foto von Winfried Gaenssler, veröffentlicht bei Google]

Das nächste seltsame Objekt lies nicht lange auf sich warten. Am nördlichen Rand von Meiningen wurde jenseits der Werra am Berghang ein dunkler Turm sichtbar.

Als Wohnhaus etwas düster geraten. Aber was verbirgt sich hinter dem Bau? Eine Suche mit Google Maps führte zur Erkenntnis, dass sich hier ein Fledermausturm erhebt. Soweit ich nachlesen konnte, wurde ein alter Plattenbau zum Teil abgerissen und der Rest in diesen Fledermausturm umgewandelt. Die neuesten Rezensionen auf Google sind allerdings nicht gerade positiv.

Nächster Ort entlang der Strecke ist Walldorf. Hier führt der Werratal-Radweg etwas bergan. Kein Wunder, es an der Kirchenburg Walldorf vorbei. Und Burgen werden nun Mal gerne auf Anhöhen errichtet. Diese Anlage blickt auf eine über 1000 jährige Geschichte zurück. Laut Webseite zur Kirchburg wurde diese als Königshof noch vor der ersten urkundlichen Erwähnung 982 gegründet. [Quelle: Kirchenburg Walldorf]

Neben ausgebauten Radwegen führt die Strecke auch mal auch über kleinere Landstraßen und hier bringt mich Kreisstraße K2523 meinem Ziel Breitungen näher.

Gleich am Ortseingang „Am Markt“ treffe ich auf das nächste seltsame Objekt, den Glitt- oder Kroatenstein.


Und was hat es mit dem Glittstein auf sich? Eine Infotafel gibt dazu Auskunft. Es handelt sich um eine Basaltbombe oder einen Basaltfindling. Der Name geht auf eine Sage zurück, nach der dieser Stein einem Leineweber aus der Schürze „glitt“. Und seitdem liegt er hier. Für Kroatenstein gibt es keine Namensklärung.

Ich bin kurz vor meinem Ziel, dem „Waldhaus Wittgenthal“, aber Zeit für eine kleine Umleitung muss schon nach sein. Der Radweg entlang der Werra ist wegen Bauarbeiten gesperrt und ein quer verlaufender Graben vereitelt auch ein Durchqueren der Baustelle. Zum Glück ist das Umleitungsstück nicht allzu lang. Eine Umleitungsbeschilderung habe ich allerdings erst auf der anderen Seite der Baustelle gesehen.

Ein in meinen Augen etwas kuriose Verkehrsbeschilderung habe ich am Ortsausgang gefunden.

Der gemeinsame Rad-/Fußweg ist zu Ende und nach der Einfahrt geht es nur als Radweg weiter. Das heißt, Fußgänger auf die Straße. Finde ich zumindest etwas seltsam.
Aber vielleicht liegt es daran, dass die nutzbare Breite des Radwegs wegen starken Pflanzenwuchs etwas eingeschränkt ist?

Das war die zweite Etappe meiner Radtour entlang der Werra, die am Ende 66 km auf den Tacho gebracht hat.
Am nächsten Tag soll es bis Gerstungen gehen.

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