Werratal-Radweg – Tag 3: Umleitungen

Von Breitungen sollte es am 3. Tag bis Gerstungen gehen, auch hier war wieder nur ein Quartier im Ort davor zu finden.
Kurz vor Neun Uhr geht meine Fahrt los, nach kurzer Strecke ist Immelborn erreicht. Für Bahnfreunde ist hier sicherlich ein Ort, um mehr oder weniger kurz zu verweilen. Am Bahnübergang – der Werratal-Radweg führt direkt da entlang – ist ein altes Stellwerk zu sehen und natürlich der durchaus sehenswerte Bahnhof in Fachwerkausführung.
Die Bahnsignale sind tatsächlich noch alte Flügelsignale, funktionsfähig wie bei der Ausfahrt der Süd-Thüringen-Bahn zu sehen ist.

Nicht immer führt der Radweg über breite Weg oder Straßen, in Barchfeld geht es auch mal durch eine recht enge Gasse hindurch.

Als nächstes erwartet mich eine Umleitung. Ab Kloster Allendorf bei Bad Salzungen ist der Werratal-Radweg gesperrt. Immerhin ist eine Umleitung ausgeschildert, die nach Bad Salzungen führt.

Eigentlich hatte die Umleitung auch einen positiven Effekt, denn der Radweg führt eigentlich an Bad Salzungen vorbei. Die Baustelle des Gradierwerks und den Bohrturm hätte ich sonst gar nicht gesehen. Allerdings bedeutete das auch, dass durch die Baustelle die Weiterfahrt am Gradierwerk nicht möglich war. Der Bohrturm stammt aus dem Jahr 1868 und wurde für eine Tiefenbohrung genutzt.

Weiter geht es entlang der Umleitung, aber beim Ortsteil Leimbach biegt die Umleitung etwas eigentümlich nach links in die Dorfstraße ab.

Zumindest habe ich das Umleitungsschild so interpretiert. Ich bin der Hauptstraße zunächst gefolgt, Umleitungsschilder habe ich keine gesehen oder übersehen. Nachdem ich auf Höhe der Bundesstraße B62 angekommen bin und der Weg nur weiter weg von der Werra führte, bin ich dann doch lieber umgekehrt und habe mir einen Weg über normale Straßen nach Tiefenort gesucht. In der Hoffnung, dass der Werratal-Radweg ab dort wieder normal nutzbar ist.
In Tiefenort wurde mir noch mal bestätigt, dass der Radweg von Kloster Allendorf bis Unterrohn gesperrt ist.

In Tiefenort folgt die nächste, naja, Umleitung. Aber nicht so richtig, denn die Wegweisung zum Radweg ist nur ausgekreuzt, ohne eine Alternative zu zeigen. Also bin ich zunächst dem – nicht mehr ausgewiesenen – Radweg gefolgt. Hinter Tiefenort gibt es nämlich zwei Varianten. Den – laut Bikeline-Karte seit 2021 fertiggestellten – flussnahen Radweg und die alte Streckenführung Richtung Ruine Krayenburg. Allerdings führt der „alte“ Radweg nur in der Nähe der Ruine vorbei und es sind einige Höhenmeter zu überwinden.
Ich vermute, dass der flussnahe Werratal-Radweg doch nicht 2021 fertig gestellt wurde.

Aber komisch ist es dann schon, wenn einfach die Wegweisung ohne Umleitungshinweise ungültig gemacht wird.

Immerhin habe ich die Umleitungen alle überstanden, bin weiter auf dem Radweg unterwegs und gelange so nach Merkers. Die Stadt ist bekannt durch den Kalibergbau, der 1910 begann. Die Route führt an der evangelischen Kirche Merkers entlang, die erst 1929 fertiggestellt und der Kirchgemeinde übereignet wurde. Die Gelder zum Bau stammen laut Festschrift zum Ortsjubiläum „700 Jahre Merkers“ aus dem Kalibergbau. [Quelle: krayenberggemeinde.de]

Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe unterwegs das Gefühl bekommen, dass in Thüringen, zumindest in dieser Gegend Bahn- und auch Bahngüterverkehr noch stärker genutzt wird, als bspw. in Sachsen. An etlichen Stellen sind mir Güterbahnhöfe oder zumindest nutzbare Reste davon aufgefallen, auch hier in Merkers. Kann natürlich mit dem Bergbau zusammenhängen.
Kurz vor dem Ort Vacha führt die Route an einer auffälligen roten Gesteinsformation vorbei. Dabei handelt es sich um die Rote Wand am Siechenberg. Dieser ehemalige Steinbruch lieferte Sandstein zum Bau der Werra-Brücke in Vacha.

Die Werra-Brücke von Vacha ist von der Roten Wand aus sichtbar, weite Transportwege gab es also für das Baumaterial nicht.

Vacha liegt unmittelbar an der Grenze zu Hessen, das heißt zu DDR-Zeiten war hier Grenzgebiet, die Grenze verlief durch den Fluss. Die Werra-Brücke in der heutigen Form ist in der zweiten Hälfte des 16 Jahrhunderts entstanden, besagt eine Infotafel an der Brücke. Seit dem 03.Oktober 1990 heißt das Bauwerk „Brücke der Einheit“.
Ein alter Grenzturm zeugt noch von der Geschichte als Grenzstadt. Auf dem vachaseitigen Ufer steht eine leuchtend grüne Skulptur. Im ersten Moment dachte ich, dass hier jemand eine Figur von Erich Honecker aufgestellt hat, der Hut passt jedenfalls…

Nächste Station ist Philippsthal, eindeutig in Hessen gelegen.
Die Streckenführung mutet im ersten Moment seltsam an, aber der Werratal-Radweg geht tatsächlich durch das Gelände von Schloss Philippsthal.

Das Schloss wurde um 1700 herum errichtet und wurde von Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal und seinem Sohn und Nachfolger Karl errichtet. Hier diente ein ehemaliges Kloster als Grundlage für den Bau. Das erinnert wieder an Kloster Veßra, das auch mit der Reformation endete.

Der Radweg führt hier durch Hessen.

Das möchten die hessischen Tourismusverantwortlichen wohl auch in aller Deutlichkeit zeigen und dekorieren die Radwegweiser mit dem Landeswappen.

Hessen als Bundesland ist auf einem Radwegweiser nach meiner Meinung völlig ungeeignet, der Radfahrer möchte sich an einem einigermaßen konkreten Ziel orientieren. Und da wäre es durchaus hilfreich zu wissen, ob ich mich noch auf dem Werratal-Radweg befinde. Aber Hessen macht das eben bissel anders…

In der Bikeline-Karte wurde bei dem Streckenabschnitt von Philippsthal nach Heringen auf den Monte Kali hingewiesen. Dabei handelt es sich um eine große und auffällige Halde aus dem Kalibergbau. Laut Wikipedia wird diese auch als Kalimandscharo bezeichnet.
Allerdings hatte ich fälschlicherweise eine ähnliche Halde bei Philippsthal für den Monte Kali gehalten, der sich allerdings erst einige Kilometer weiter bei Heringen zeigt.

Gerstungen ist nicht mehr weit, der frühe Nachmittag empfiehlt sich für die Einkehr in einem Café oder einer Bäckerei. Da war doch was in Gerstungen. 2012 war ich in der Gegend zum Urlaub und habe in Gerstungen einen wundervollen Kuchen gegessen. Vielleicht gibt es den heute auch. Also zunächst am Zielort Werra-Suhl-Tal vorbei und zur Konditorei Eichholz. Pustekuchen, hier ist laut Schild vorübergehend geschlossen.

Das ist ausgesprochen ärgerlich. Aber ich bin eben am Café Topp vorbeigekommen und das war geöffnet. Dann eben ins geöffnete Café.
Wie mir später Einheimische berichteten, ist das vermutlich keine vorübergehende Schließung mehr, sondern es ist seit dem Frühjahr geschlossen. Und es soll auch nichts mit gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie zu tun haben.

Auf dem Weg zu meinem Quartier in Werra-Suhl-Tal ging es noch an der Rundkirche Untersuhl vorbei.

Der dritte Tag brachte eine Strecke von 71 km mit sich, wobei ich ja einen Umweg über Gerstungen gemacht habe.

Für den nächsten Tag ist starker Regen angekündigt. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

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