Die Waldschlößchenbrücke des Vogtlandes

2012 hatte ich von der Waldschlößchenbrücke in Dresden berichtet und von den Diskussionen zu versperrten Sichtachsen auf das Dresdner Zentrum. Ja, die Sicht ist eingeschränkt, aber andererseits ist die Entfernung zu den die Silhouette prägenden Bauten so groß, dass mit bloßem Auge nicht viel zu sehen ist und das alles auch häufig im Dunst verschwindet. Um die Sicht zum Zentrum zu behindern wurden neben der Brücke dann extra hochwachsende Pflanzen angebaut (Stand 2012).
Im Ergebnis des Brückenbaues verlor Dresden den Welterbestatus, besser gesagt, das Dresdner Elbtal.

Das Vogtland hat jetzt eine ähnliche Diskussion. Allerdings geht es um die Sicht auf eine Brücke, die durch eine neu gebaute Halle eines Gewerbebetriebes gestört würde. Objekt der Betrachtung ist die Göltzschtalbrücke. Für diese Ziegelsteinbrücke wurde ein Antrag zur Aufnahme als Welterbe gestellt. Und jetzt steht da neu und zusätzlich eine gewerblich genutzte Halle. Die Sichtachse zur Brücke ist gestört, klagen die Kritiker. Welterbe und Tourismus ist gefährdet.

Nun gut, sehen wir uns das mal in der Praxis an.

Der linke Ziegelbau ist Altbestand der Firma, der weiße Anbau ist neu.
Ja, prinzipiell ist der Blick in Richtung eingeschränkt. Aber ganz ehrlich, von hier vorn guckt keiner zur Brücke, das ist nämlich von der Bundesstraße B 173 aus fotografiert. Besucher bleiben nicht hier auf der Kreuzung stehen, um die Göltzschtalbrücke zu begutachten. Das machen allenfalls ein paar wenige Wanderer oder Radfahrer.

Geht man ein Stück Richtung Brücke und lässt den Gewerbebetrieb hinter sich, wird der Blick zur Brücke zwar besser, zu sehen ist diese allerdings ob der Bäume auch jetzt nicht.

Richtige Sicht ergibt sich ohnehin erst ab etwa Besucherparkplatz.

Was ich überhaupt nicht verstehe: Der Inhaber des Unternehmens wollte einen Fachwerkbau errichten, der Denkmalschutz hat laut Presseartikel gefordert, dass sich der Bau deutlich vom denkmalgeschützten Altbau abhebt.

Also mir wäre ein Bauwerk im Stil des Altbaues lieber gewesen, jetzt steht dort wirklich ein Fremdkörper. Im gesamten Umfeld sind ja solche Ziegelbauten: der hier gezeigte Güterschuppen vom alten Bahnhof Götzschtalbrücke, die Ketzelmühle, weitere Reste vom Bahnhof Göltzschtal.

Naja, mal sehen, wohin sich das entwickelt und ob ich das mit dem Weltkulturerbe noch erlebe.

Ach ja, was hatte eigentlich die Aberkennung dieses Status in Dresden für Folgen? Für den Tourismus?